Ein dichter, grüner Rasenteppich in Ihrem Garten, ohne Unkraut, ohne braune Stellen, ohne Löcher, durch die das Erdreich schimmert – so sieht der Traum vieler Gartenbesitzer aus. Mit Fertigrasen, wie Rollrasen offiziell heißt, soll dieser Traum schnell und einfach Wirklichkeit werden. Doch unsere Testergebnisse liegen absolut nicht im grünen Bereich.

Die Vorteile von Fertigrasen gegenüber einem selbst ausgesäten Rasen liegen klar auf der Hand. Die Warte¬zeit bis zu einer möglichen ¬Belastung des Rollrasens ist mit zwei bis drei Wochen unschlagbar kurz. Wer neu einsät, muss je nach Witterung mindestens acht bis zehn Wochen vergehen lassen, bevor er auch nur daran denken kann, die neue Grünfläche für Sport, Spiel und Erholung zu nutzen. Die mühsame Arbeit des Säens und Pflegens übernimmt der Rasenhersteller. Meist wird das Saatgut dort auf großen Feldern ausgesät. In diesen Rasenschulen wird er bewässert, gewalzt, gemäht und gedüngt, bevor der Rasen dann nach gut einem Jahr mit Spezialmaschinen geerntet wird. Diese schälen häufig 40 x 250 Zentimeter große Stücke ab – das entspricht genau einem Quadratmeter.
Der Rasenproduzent trägt dabei alle Risiken, die die Jugend¬phase mit sich bringt: Dass die Saat nicht aufgeht, dass freche Vögel sich über den Samen hermachen, dass die keimenden Pflänzchen vertrocknen oder der neue Rasen aussieht wie ein braungrüner Flickenteppich. Das sind gute Gründe dafür, dass Rollrasen auch in immer mehr Privatgärten Einzug hält.

Ein entscheidender Nachteil für ihren Garten ist, dass der Gartenbesitzer nicht weiß, in welchem Umfang Spritzgifte angewendet wurden. Wer selber sät und hegt und pflegt, behält hier die Kontrolle.

Für die unterschiedlichen Anwendungen gibt es unterschiedliche Rasentypen. Stark belastbarer Strapazierrasen zum Beispiel kommt auf Sportplätzen zum Einsatz. Für den privaten Hausgarten ist Spiel- und Gebrauchsrasen geeignet. Damit die Rasentypen den unter¬schiedlichen Anforderungen optimal standhalten, sind sie aus verschiedenen Grasarten zusammengesetzt.

Die Regel-Saatgut-Mischung für „Gebrauchsrasen-Spielrasen“, die als Qualitätsstandard von der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau festgelegt ist, umfasst drei Grasarten: Ausdauerndes Weidelgras (Lolium perenne), Wiesenrispe (Poa pratensis) und Rotschwingel (Festuca rubra). Die Gräser bestimmen, wie der Rasen aussieht, wie gut und schnell er sich von Strapazen erholt und wie viel ¬Pflege er braucht. Ausdauerndes Weidelgras entwickelt sich sehr schnell und setzt sich gut gegen Wildkräuter durch. Es erholt sich auch rasch. Die Wiesenrispe sorgt durch Ausläufer für zusätzliche Stabilität. Rotschwingel ist anspruchslos und trockenverträglich und schließt Lücken. Wir wollten wissen, wie es um die Qualität von Rollrasen bestellt ist und haben 15 unterschiedliche Marken im Baumarkt und direkt bei Rollrasenproduzenten eingekauft und prüfen lassen. Die Experten haben sich angesehen, wie dicht der Fertigrasen gewachsen ist, aus welchen Gräsern er sich zusammensetzt und wie stark er bereits verfilzt ist. Es wurde geprüft, wie dick und gut der Rasen abgeschält wurde und ob das Gras die optimale Höhe hatte. Uns interessierte auch die Bodenbeschaffenheit und vor allem wie stark der Fertigrasen mit Pflanzenschutzmitteln belastet war.

Das Testergebnis

Neun Rollrasen fallen mit „ungenügend“ durch, weil darin nicht zugelassene Pflanzenschutzmittel nachgewiesen wurden. Die Rasenqualität ist bei den meisten Produkten „gut“ oder „befriedigend“. Die drei Fertigrasen von Büchner Fertigrasen, McRasen (Rollrasen Aue) und Rasenland Pattensen – Freiherr Knigge haben aber ein „gutes“ ¬Gesamturteil und sind somit empfehlenswert.

Offensichtlich scheren sich einige Rasenhersteller wenig darum, ob die eingesetzten Pflanzenschutzmittel zugelassen sind oder nicht. Das Mittel Methabenzthiazuron, das das von uns beauftragte Labor in sechs Fällen nachgewiesen hat, ist seit 2007 in der EU generell nicht mehr zugelassen – in Deutschland liefen die Zulassungen bereits 1996 aus. Die Wirkstoffe Spiroxamin und Fenpropidin hatten in Deutschland noch nie eine Zulassung für Rasen. Wir haben die Stoffe nicht nur in einer Mischprobe aus Boden und Gras gefunden. Bei den Stoffen im Boden hätte es sich möglicherweise um Altlasten handeln können. Doch das beauftragte Labor hat die nicht zugelassenen Pflanzenschutzmittel auch in den reinen Grasproben nachgewiesen. Die gefundenen Mengen sind so groß, dass man von einem gezielten Einsatz ausgehen kann. Die drei genannten Stoffe sind stark wassergefährdend. Sie sind nicht unbedingt gefährlicher als zugelassene Pflanzenschutzmittel, aber ihr Einsatz ist ein Gesetzesverstoß.